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Hennes VIII. oder: Immer Theater mit Hennes. (Alt. Titel: De Dos). Historisches Drama in einem Aufzug nach einem Motiv von Hans Fallada

personae dramatis:

Hennes VIII, z. Z. d. Handlung Prinz, später König, noch später Kaiser von Köln

Erster Aufzug

ERSTE SZENE

Vorhang. Die Bühne ist leer bis auf eine Dose Frühkölsch, die in der Bühnenmitte auf dem Bühnenboden steht. Auftritt Hennes von der Seite. Hennes schaut sich auf der Bühne und im Bühnenraum um. Entdeckt die Dose. Geht zu ihr, hebt sie auf, betrachtet sie. Reißt sie auf, kippt den Inhalt auf Ex, knüllt die Dose zusammen und pfeffert sie ins Publikum. Packt sich am Sack und rölpst.

HENNES: Bröööööööps! – Leck´ mich am Latz, war das lecker.

Hennes zündet sich eine Zigarette an und geht seitlich von der Bühne ab. Vorhang.

Ende.

Pressestimmen:

„Die bewußte Abkehr vom Shakespearschen Blankvers stellt eine der Hauptattraktionen der diesjährigen Theatersaison vor. Ne, dar.“
BILD.bühne.de

„Es wird gesoffen, geraucht und geflucht, dass es eine wahre Freude ist.“
Bravo Girl

„Beckettscher Existenzminimalismus trifft Kölschen Klön. – Keine Frage: Die Generation Südkurvenslalom wird erwachsen.“
luftruinen.blogsport.de

Silke Spiegelburg, London, 06.08.2012

Sie plumpste auf die Plastikmatte,
gefolgt von Stab und Ex-Querlatte,

und schniefte: Scheiße! – Wieder Vierte!
Tja. Schicksal is´n Schweinehirte.

Kopf hoch! Selbst das läßt sich verschmerzen,
und bald schon wird sie wieder scherzen:

unser Medaillengirl der Herzen.

***

So. Und jetzt schicht mit SS. Sonst denkt noch wer, wir wollen hier heiraten…

vuvuzela ursonate*

tröt tröt tröt tröt
tätärätätä tätätä
tröt tröt tröt tröt
tätärätätä

tröt tröt tröt tröt
tätärätätä tätätä
tröt tröt tröt tröt
tätärätätä

tätärätätä
tätärätätä
tätärätätä

tröt

Uraufgeführt vom 10.06.-11.07.2010. – Auf daß wir sie nie wieder hören müssen.

(Erstabdruck: luftruinen #9 / Sommer 2010)

*abgekupfert bei K.S., 125. am 20. Juni. Warum heißen Meerschweinchen eigentlich Meerschweinchen?

AN HENNES BLUME

Du bist von hinten fast wie von vorne: H-E-N-N-E-S

Schweinsblase in Leder
tropft ins Grobmaschige
du Prinz mit prächtigem Geweih
du geweihter du
von hinten fast wie von vorne: H-E-N-N-E-S

immer wenn es regnet
muss ich an dich denken

Schlümpfe schlumpfen deinen Namen
dein Name schlumpft
du Bocksfüßigster von allen
wirst nie zu den Bayern gehen
von vorne wie von hinten
von hinten wie von vorn
H-E-N-N-E-S
immer wenn es regnet
Schweinsblase ins Grobmaschige
Drops gelutscht

(Gladbacher bitte an die Leine zu führen)

Hennes und der Mann im Mond

Nacht über Köln. Die Domstadt schlummert. Hennes steht im mondbeschienenen Stadion allein auf dem Rasen und blickt schweigend zu den Sternen empor. Lässt die vergangene Saison noch einmal vor seinem inneren Auge Revue passieren.
Zur Winterpause sah mal wieder alles nach zwingendem Abstieg aus, aber in der Rückrunde konnte die Mannschaft sich dann doch noch mal wieder am eigenen Schopf aus der Misere ziehen. Der grandiose Sieg über die Bayern, der selbst Wolfgang Niedecken ins Philosophieren gebracht hat. Ein Lächeln huscht über Hennes´ Gesicht. Er blickt hinauf zum vollen Mond. Dem matten Schatten im blendenden Weiss, in dem Manche die Silhouette eines Mannes zu erkennen glauben, der einen schweren Sack auf der Schulter trägt. Wie der Autor von Peterchens Mondfahrt. Hennes kuckt genau hin.
Und staunt.
Der Mann im Mond hat keinen Sack geschultert. Der Mann im Mond trägt einen kleinen Geissbock auf dem Arm.
Der Mann im Mond ist kein Anderer als Hennes Weisweiler.
Hennes reckt stumm lächelnd das Kinn zum Gruß Richtung Mond, und Weisweiler nickt stumm zurück und tippt sich mit der Fingerspitze an die Hutkrempe, und beide, Hennes und der Mann im Mond, sind sich einig: Nächste Saison wird Köln wieder Meister.

ganz in der Nähe von Köln
im Juli 2011